Sonntag, 6. Mai 2018

Die Krone des Königs


Am 12. Juli hatte ich galaktischen Geburtstag. Das ist der Tag, an dem sich im Tzolkin, dem heiligen Kalender der Mayas,  die Energien des Tages meiner Geburt wiederholen. Der Takt ist anders als in unserem gebräuchlichen gregorianischen Kalender. 

Der Mensch hat alle  260 Tage Geburtstag im Maya-Kalender und nicht wie im gregorianischen
alle 365 Tage und immer am selben Datum (Tag, Monat), sondern es ist immer in einem Zeitraum von 260 Tage seit deiner Geburt - ohne Schaltjahr oder anderen Manipulationen  wie im gregorianischen Wirtschaftskalender. 
(Quelle: www.indalosia.de

Meine Geburtsprägung im Maya-Kalender ist Chicchan 2, so wie ich laut gregorianischem Kalender Wassermann und im chinesischen Horoskop Drache bin. Chicchan, die rote Schlange, ist die Weisheit des Körpers, ist Kreativität, Lust auf und am Leben, sie ist die Lebenskraft und die Kraft des Überlebens. Der Ton 2 ist der lunare Ton der Herausforderung, das Lernen durch Beziehungen und die Kraft zum Wachstum. 
 
An meinen galaktischen Geburtstagen lege ich seit einiger Zeit jedesmal ein keltisches Kreuz mit meinen Tarotkarten, als Orakel für den kommenden Lebensabschnitt und es ist interessant, im Nachhinein zu sehen, was ich jeweils gelegt hatte und was dann geschehen ist. D. und Michel z.B. wurden unmissverständlich angekündigt, obwohl nichts im Außen auf sie hindeutete. Ich halte die keltischen Kreuze in meinem Tagebuch fest. 

Das Kreuz vom 12. Juli nun steht sehr im Zeichen meines inneren Mannes, männlicher Kraft, die sich vollkommen ins Ganze einfügt. Ja, jetzt, wo ich auf es schaue, wie es vor mir auf dem Tisch liegt, kommt es mir so vor, als sei alles schon in perfekter Ordnung, nur ich meine noch, nach etwas suchen zu müssen - was schon da ist. Ich bin noch in einer Täuschung gefangen, oder nicht gefangen, sondern befindlich. Die Legung sagt auch: „Sei gelassen, lasse alles - wenn Du diesen Prozess noch brauchst, dann nimm ihn hin. Mach‘ dir keinen Stress. Verurteile dich nicht.“ 

… - … Hm. … - … 

D. hat in unseren Ferien mein Manuskript gelesen. U.a. sagte er, ich sei noch im Wald und er habe ihn durchquert. Ich wollte ihm antworten, dass er meiner Meinung nach seine inneren Wälder noch garnicht betreten hat. Aber vielleicht hat er ja recht. Jedenfalls antwortete ich nichts und wenn er das so sieht, wie er sagt, dann nehme ich das einfach mal an, ohne es gleich wieder abzuweisen. Mag sein, dass er bezüglich mancher seiner Themen in seinen eigenen inneren Wäldern noch einiges finden kann, aber in Bezug auf ihn und mich mag er seinen Wald erkundet haben. Nur ich steh‘ im Wald und sehe ihn sprichwörtlich vor lauter Bäumen nicht, habe das Offensichtliche vor Augen und begreife es (noch) nicht. Weil es immer anders war oder weil ich etwas anderes geglaubt habe. Weil ich etwas Bestimmtes erwarte, starre ich auf eine Stelle: Da müsste es doch gleich so kommen, wie ich es kenne, und ich sehe nicht, was wirklich um mich ist. 

Weil ich immer nur das gesehen habe, was ich geglaubt habe. Jetzt kommen andere Menschen daher und öffnen mir die Augen für neue Wahrheiten, für die Wahrheit, die ich bisher nicht sehen konnte. 

 

Oder die Erkenntnisse steigen aus mir selbst auf. An meinem galaktischen Chicchan –Geburtstag zog ich auch eine Engel-Karte zur Unterstützung für mein neues Lebensjahr. 

Bild von hier:
https://heilerinengeltiertherapie.wordpress.com/tag/engelkarten/
Es war Shushienae, der Engel der Reinheit (aus dem Kartendeck: „Engel – Himmlische Helfer“von Kimberly Marooney). Die Karte zeigt ein Bild mit drei Personen: Ein Engel in grünem Kleid und zwei Menschen, zwei Frauen, dachte ich auf den ersten Blick, eine in blauem Kleid und eine weißgekleidete, die in einem Arm einen grünen Zweig hält und in der anderen Hand ein Öllämpchen und ganz versunken ist in den Anblick seines Lichtchens. Die drei sitzen ganz nah beieinander und der Engel hält eine Krone in einer Hand, die auf seinem Schoß liegt. Die blaugekleidete Gestalt spielt auf einer kleinen Harfe. In mein Tagebuch habe ich geschrieben: „Ich glaube, sie warten auf den König, um ihn zu krönen. Wo ist er?“ 

Ich ließ die Karte den ganzen Tag auf dem Küchentisch liegen und betrachtete sie hin und wieder. Nach Stunden entdeckte ich, dass die Gestalt in dem blauen Kleid einen Adamsapfel hat. Ist das ein Mann? Dann sah ich auch, dass der Engel seine freie Hand auf ihrer Schulter liegen hat. Beide, der Engel und der Mann(?!) schauen auf die Frau, geduldig und als würden sie das schon sehr lange tun. Der Engel scheint ein bisschen traurig zu sein: „Wann siehst du uns endlich?“ Und der Blaugekleidete spielt voller Hingabe die Harfe, sehnsüchtig, als wolle er mehr tun, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen, kann aber nicht, als seien ihm die Hände gebunden. Und sie sind ihm gebunden! Eine Kette liegt um seine Handgelenke, das erkannte ich noch eine Weile später! 

Was hat das zu bedeuten? Dass der Königssohn längst da ist, der junge König? In Begleitung und Obhut eines Engels. Vom Himmel gesandt. 

Er ist schon so lange da, dass der Engel ihm die Krone abgenommen hat, damit sie ihn nicht drückt, oder um sie der jungen Frau aufzusetzen, um sie zu krönen und damit die beiden zu verbinden. Die aber ist ganz fasziniert von ihrem Lämpchen und schaut garnicht auf. Vielleicht braucht der junge König aber ihre Hilfe, dass sie ihm die Fesseln abnimmt. Oder er will ihr seine Liebe schenken, kann ihr aber nicht mehr geben, als sie wahrnimmt, den leisen Klang seiner Harfe. Aber da ist soviel mehr!! Wenn sie nur aufblicken und ihn sehen würde!! Abgesehen von ihm selbst, dem liebenden, hingebungsvollen jungen König, auch noch das pralle Leben! Symbolisiert durch das grüne Kleid des Engels mit einer goldenen Schleife als Gürtel. Das Goldene ist die Erleuchtung, die Erkenntnis der Wahrheit - als Gürtel getragen ist es die Verbindung zwischen Himmel und Erde. 

… - Hm. Das, was ich in den letzten Zeilen geschrieben habe, passt sehr gut als Erläuterung meines keltischen Geburtstags-Kreuzes. So ist es also. Ich suche was und hab‘ es schon! Bzw. es ist schon da, aber ich habe es noch nicht begriffen. 

Gestern Abend, als ich das Kapitel von Hitler im Raps geschrieben hatte, ging ich nochmal ins Internet und sah nach meinen E-Mails. Es war ein Info-Schreiben für ein Familien-Aufstellungsseminar dabei. Ich las: „Es gibt nichts zu verzeihen, denn Verzeihen setzt Schuld voraus.“ Da hatte ich meinen eigenen, gerade durchlaufenen Prozess nochmal auf den Punkt gebracht! Darauf war ich selbst nicht gekommen: Es gibt keine Schuld! Als ich die Worte las, begriff ich es. 

Theoretisch „weiß“ ich das ja schon lange: Es gibt keine Schuld. Und ich habe es auch mehrfach selbst bei Familienaufstellungen empfunden und erkannt. Aber gestern Abend: Das war wie das Abfallen einer „Begriffshülle“. Ich hatte einen Begriff von etwas, aber da war eine Hülle, Wand, Trennung, Barriere drum herum, ich hatte es noch nicht be-griffen, den Begriff nicht in meinem Inneren verwandelt. 

Es gibt keine Schuld. Wir sind alle unschuldig wie die Kinder, egal, welche Lebensgeschichte wir haben, auch Adolf Hitler. Der konnte garnicht anders. Und keiner muss einem anderen etwas zuweisen. Alles, was wir wahrnehmen, ist in uns selbst.



Freitag, 4. Mai 2018

Adolf Hitler im Raps


Es gibt hier eine Katze. Ich bin ihr in letzer Zeit öfters begegnet. Wenn ich mit Michel im Kinderwagen durch’s Dorf gehe, um Oma und Opa, meine Eltern, zu besuchen, dann liegt sie manchmal in einem Garten im Gras oder sie sitzt auf dem Bürgersteig oder in einem Hof und sieht uns an. Ein paar Mal habe ich sie auch beim Gassi-gehen mit Schröder gesehen, wie sie durch die Felder streift, über den Feldweg läuft oder durch das abgemähte Rapsfeld. 
 
Sie ist ganz weiß mit wenigen grau-schwarzen Flecken: Einer auf dem Kopf, der sieht aus wie die Frisur Adolf Hitlers, und dann auch noch einer über ihrem Schnäuzchen, der aussieht wie sein komischer Schnurrbart. Als ich sie zum ersten Mal sah, sagte ich zu Michel: „Guck mal, die sieht aus wie Adolf Hitler!“ Da lag sie im Garten im Gras und döste vor sich hin und als ich das gesagt hatte, hob sie ihren Kopf und sah uns an. 

Vielleicht ist sie eine Reinkarnation von ihm. Vielleicht nicht der ganze Adolf Hitler, aber ein Teil von ihm. Von Michel dachte ich das auch schon mal, dass Adolf Hitler, mit einem Anteil seiner selbst, als Michel zu uns gekommen ist. Beide haben am 20. April Geburtstag, und Michels Haare haben mich mal an die Frisur von Hitler erinnert … weil er, Hitler, doch so eine schreckliche Kindheit gehabt haben soll und jetzt will er als Michel-Kind bei uns leben und das ausheilen lassen. Und als Katze streift er hier durch den Raps und döst in der Sonne, einfach so. Einfach leben! Völlig frei, ohne irgendwelche Verantwortungen, ohne Druck, einfach leben und das Dasein genießen. - Es sei ihm gegönnt!

Versteht mich nicht falsch. Michel ist Michel und ich glaube nicht, dass er irgendwie „besetzt“ ist. Aber wir sind alle miteinander verbunden. Und wenn meine eigene Kindheit, inspiriert durch Michels Dasein, heilt, indem dass ich sowohl Mutter als auch Kind bin, darf Hitler ruhig auch daran teilhaben. 

Könnte es sein, dass Hitler sowas wie ein Archetyp ist? Eine Gestalt, die sich manifestiert hat, weil alle Menschen die Eigenschaften in sich tragen, die man ihm zuordnet, diese aber eher unterdrücken, bzw. sich nicht eingestehen wollen, weil sie sie für böse halten? Das Kleine, Gemeine, Anschwärzende, Alle-auf-einen, die Grausamkeit und das Unbarmherzige. „Ich doch nicht“! 

Weil ich meine Wut lieber runterschlucke (die Alkoholsucht in meiner persönlichen Lebensgeschichte) anstatt sie zu artikulieren, weil ich mich nicht traue, auch mal „auf den Tisch zu hauen“, oder einfach nur zu sagen, was ich meine, rasiert sich mein junger Nachbar die Haare ab, pierct und tätowiert sich und hört Techno, dass die Wände erzittern. Der lässt seinen Frust und seine Aggressionen raus und stülpt sie mir noch über! 

Das ist ja das Gute am Leben: Dass man seine Themen dermaßen präsent vor die Nase gesetzt bekommt, dass man garnicht anders kann, als sich damit auseinanderzusetzen! 

Ich habe an ihm gelernt. Er hat mich dazu gebracht, mich zu trauen, für mich einzustehen und Grenzen zu setzen. Jetzt ist er ruhiger. Meine Wut ist aber immer noch ein Thema, das noch nicht ganz ausgewogen ist. Ich schlucke immer noch manchmal, wenn ich lieber sagen würde: „Das ärgert mich jetzt!“ Mit dem Ergebnis, dass ich die Begebenheit dann tagelang mit mir herumtrage und sehen muss, wie ich sie wieder loskriege, bzw. ausbalanciere. 

Dass sowas wie Hitler, Nazis und Neonazis auf den Plan treten, liegt meines Erachtens daran, dass Menschen ihre eigenen Aggressionen unterdrücken, dass sie konfliktscheu sind, sich nicht trauen und sich lieber ducken und schweigen, sich kleinmachen, anstatt sich zu zeigen und für sich einzustehen. Dabei muss ich auf niemanden zeigen. Ich rede von mir. Deshalb bin ich auch so guter Dinge, dass das alles gut wird und die Neonazis verschwinden, denn ich bin am wachsen, ich traue es mir jetzt zu, mich zu trauen! 

In unseren Ferien war eine Situation, die mir nochmal klar gezeigt hat, wie das ist, nichts zu sagen, wenn man sich ärgert: Die akute Situation dauerte vielleicht zehn Minuten. Mit mir herumgetragen habe ich es mindestens eine Woche. 

Ein nächstes Mal will ich meine Wut nicht schlucken! Möge es mir dann auch bewusst sein und möge ich es anders machen! Das sitzt bei mir so fest, dieses Verhaltensmuster des Runterschluckens, dass ich in solchen Situationen oft wie ein hypnotisiertes Kaninchen bin. Mir geht erst später auf, dass mir da jemand was übergebügelt hat und ich brav stillgehalten habe. Schluss damit!! Aus!! Ende!! So nicht mehr!!

Eine spirituelle Lehrerin von mir äußerte einmal die Ansicht, Adolf Hitler sei nicht im Himmel. Auf keinen Fall sei er Himmel! Der doch nicht! Ich aber glaube, dass er es ist. Im Himmel seiner Seele, und in manchen lebendigen Organismen hier auf der Erde, die sich in himmlischen Zuständen befinden, wie die weiße Katze. Von Gott aus ist er allemal im Himmel. Gott verzeiht jedem alles oder besser gesagt: Für Gott gibt es nichts zu verzeihen, weil er weiß, dass es nichts zu verzeihen gibt. Gott, das höchste oder tiefste oder reinste Sein Adolf Hitlers und von uns allen, hat ihm verziehen, bzw. ihn garnicht erst für schuldig befunden. Höchstens Hitler selbst oder noch in Vorstellungen und Glaubensmustern gefangene Teile seiner selbst, mögen mit seinen Taten hadern und ihn dafür verurteilen. Aber auch das glaube ich nicht. Hitler ist im Himmel. Im Paradies. 

Und so können wir uns alle eine Scheibe abschneiden von ihm, denn wenn er da ist, im himmlisch-paradiesischen Zustand, dann hat er sich selbst alles vergeben. Und wer kann das schon von sich behaupten, sich selbst alles vergeben zu haben? Sich selbst, mit allem - mit allem!!! - angenommen zu haben, sich wundervoll zu finden und zu lieben?

Und vielleicht ist doch der ganze Adolf Hitler in der Katze im Rapsacker, weil hier, gleich bei mir um die Ecke, der Himmel ist. Ich hatte neulich schon den Eindruck. 




Ergänzung anlässlich der Veröffentlichung im Schreibkammer-Blog (10 Jahre nach Entstehung des Kapitels):

Hitler ist vielleicht ein gar krasses Beispiel und löst wegen seiner Person starke Widerstände aus gegen das, was ich hier schreibe. Aber die Katze sah nun mal so aus. 🐨🐱

Und ich glaube immer noch, dass es so ist: Was ich hier „Hitler als Archetyp“ nannte, Gegebenheiten im Außen, manifestieren sich aufgrund von inneren Mustern und Verhaltensweisen der Menschen. Und die Themen im Außen, auf die ich einsteige, die mich triggern, haben alle Heilungspotential für mich. Es geht immer darum, etwas anzunehmen, zu verzeihen, Verborgenes zu öffnen und am Leben teilhaben zu lassen. Auch unsere Schwächen und das Ungewollte. Das ist es ja oft, worüber wir im Außen schimpfen. Ich aber bin verantwortlich für absolut alles, was um mich ist, für alles, was ich bemerke. Und wenn ich in diese Verantwortung gehe und so mit den Dingen umgehe, dann heilt es auch mit der Zeit. Und ich glaube und merke sogar: ziemlich schnell. Ich habe das Gefühl, allein durch Annahme, erfolgt umgehend Heilung. In wenigen Augenblicken, Stunden oder Tagen. Schritt für Schritt.

Dienstag, 1. Mai 2018

Drei Wege


Nun gibt es drei Wege, wie es weitergehen kann, unter welchen ich die Wahl habe: Als ich vor drei Tagen das vorhergehende Kapitel schrieb, dachte ich, der Text gehe danach weiter mit meinem Besuch bei der Gynäkologin, als ich mir ein Verhütungsmittel verschreiben lassen wollte und sie mir sagte, dass ich schwanger sei. Das wäre quasi – straight away – der offensichtliche, logisch einzuschlagende, erste sich anbietende Weg.
 
Mir ist jedoch bewusst geworden, dass es hier sehr um das Thema „Männer“ geht, mein Männerthema. Schon beim weiter oben erwähnten Durchlesen des bisher Geschriebenen fiel mir das auf, und ich hatte beim Lesen ein etwas ungutes Gefühl, weil ich vermute, dass ich die Männer, über die ich schreibe, für etwas ge-brauche. Was ich über sie geschrieben habe, ist wie über-jemanden-reden und dafür schäme ich mich ein bisschen, das möchte ich nicht tun. Aber anscheinend muss ich das bei diesem Thema, weil mir (noch) unbewusst ist, was das alles mit mir zu tun hat. 

Es hat aber sehr viel mit mir zu tun. Es ist meins. Ich projiziere etwas auf die Männer, was mir noch nicht klar ist. Und es ist etwas, womit ich – anscheinend – im Kampf liege, was ich noch nicht angenommen habe, wozu ich (wieder: noch) kein Ja habe, eher ein Nein.


Ich habe im Grunde an jedem Mann etwas zu bemängeln. Das ist mir gestern Abend klar geworden, als ich bei meiner Tarotlehrerin zum monatlichen Tarot war. Das Thema war dieses Mal „Das Ja zu mir“. Wobei das Thema eigentlich heißen kann, wie es will, weil sich bei jedem sowieso immer das zeigt, was aktuell ansteht, und bei mir zeigte sich, dass ich meinen inneren Mann nicht wahrnehmen kann. Mit meinem inneren Kind kann ich in Kontakt treten und ich habe auch eine innere Frau und verschiedene andere Aspekte, die mir bewusst sind, z.B. diese Antreiberin, aber einen inneren Mann fand ich nicht. Keiner da.


Vor einigen Monaten machten wir an einem dieser Tarot-Treffen eine Übung: Wir sollten nach innen blicken, schauen, ob wir unseren inneren Mann und unsere innere Frau wahrnehmen könnten, und sehen, wie die beiden sich zueinander verhalten. Eine Frau war da in meinem Inneren. Die stand vor einer riesenhohen Mauer, einer Wand aus Stein. Und dann hatte ich so innere Bilder, in denen ein Mann einer Frau auf das scheußlichste Gewalt und Demütigungen antat. … - Bevor ich mich in dieses Thema vertiefe, denn das wäre der zweite Weg, von dem ich ja noch nicht weiß, ob ich ihn wähle, gebe ich ihm einen Namen: „In den Wald gehen“. In meinen eigenen dunklen Wald im Inneren, um zu sehen, was da ist. Denn dass da etwas überaus Wichtiges für mich ist, spüre ich.

Der dritte Weg stellt sich äußerlich so dar: Ich hatte doch beim Lesen des vorhergehenden Textes die Empfindung von „lauter Geschichten“. Daraus ergab sich die Idee, ich könnte mein Leben in Spotlights beleuchten: Kurzgeschichten schreiben zu verschiedenen Themen und Begebenheiten, z.B. „Der erste Kuss“. In Gedanken habe ich schon einführende Sätze unter diesem Titel formuliert. Also: ein zweites Projekt starten mit Kurzgeschichten? Oder diese Spotlights hier mit einbauen? Innerlich führt diese Fährte mit dem, was mir dazu momentan an Thematik durch den Kopf geht, ohnehin direkt zu – Na? Wohin wohl? – meinem Männerthema! – Wie das war mit dem ersten Kuss oder „dem ersten Mal“, meinen Enttäuschungen und den Männern, wie ich die erlebt habe in den Situationen, wie ich sie wahr-genommen habe. 

Nein. Diesen Weg über die alten Geschichten wähle ich nicht. Vielleicht ein andermal. 

Jetzt möchte ich einen direkteren Weg finden. Oder einen abenteuerlicheren, einen neuen, den ich noch nicht kenne, den ich noch nie gegangen bin. 

Ich gehe in den Wald.


Wir machen bei den Tarot-Abenden zu Beginn immer eine Meditation,  während der wir die Begebenheiten des Tages, die Fahrt zu diesem Treffen, die geführten Gespräche, hinter uns lassen, und uns mit unserem Herzen verbinden. 

In der Meditation am Freitagabend hatte ich das innere Bild, dass eine junge Frau in wehenden Gewändern mir zuwinkte, ich solle ihr in einen Wald folgen. Zuerst nahm ich das freudig wahr und ging in ihre Richtung. Dann kam eine Angst in mir auf: Sie war so ein junges, anmutiges Wesen! Ich bekam Angst, dass sie mir etwas zeigen würde, das mit D. und Sex zu tun hat; etwas, das ich nicht sehen will. … D. in einem Waldteich mit jungen Nymphen. … Und ich wollte nicht mehr mitgehen. Dann fiel mir ein, dass das Thema des Abends das „Ja“ war und dass meine Tarotlehrerin gesagt hatte, wir könnten in der Meditation dieses „Ja“ zu dem, was auftaucht, ausprobieren, und so nahm ich das an und traute ich mich doch in den Wald hinein. 

Ich kam an einen See, einen Teich. In dem stand eine riesengroße, weiße, leuchtende Gestalt, weiblich, kurz sah sie auch aus wie Jesus, aber dann war es wieder eine Frau. Mein Gefühl dazu war sehr gut. Ich empfand Vertrauen, Erhabenheit, Glück. Ich wollte hingehen, ging auch hin, sie hob mich auf, in ihre Arme. Und dann kam wieder die Angst: Ich bekam Angst, diese große Gestalt würde mich verschlingen, auffressen. … - In diesem Zwiespalt kam ich aus der Meditation zurück. 


Im Verlauf des Abends kristallisierte sich dann dieses Thema mit dem inneren Mann für mich heraus. Meine Tarotlehrerin, gebrauchte irgendwann die Worte: „Zu den Männern im Außen hast Du eher ein Nein.“ Und das stimmt. An jedem habe ich was auszusetzen. An jedem. Es gibt so ein/zwei Traumgestalten, die ich nur vom Sehen kenne, und auf die ich das Ideal, das ich von einem Mann habe, übertrage. - Wobei ich den einen schon vom Thron gestürzt habe: Ich war während meiner Single-Zeit jahrelang aus der Ferne in ihn verliebt und habe es dann gewagt, mich ihm zu nähern. Dabei stellte ich fest, dass die Wirklichkeit anders aussieht als mein Traumgebilde. Und Gott-sei-Dank-! habe ich das damals getan, sonst würde ich wahrscheinlich heute noch denken, der wäre vielleicht der bessere Mann für mich. Vielleicht ist aber der Mann, der gerade an meiner Seite ist, der beste Mann für mich! Auch wenn sich diese „Geschichten“ in mir und meinem Leben abspielen, diese Bilder und Muster, die ich auf ihn projiziere.  

Und was ist es nun eigentlich, was ich den Männern vorwerfe? Vielleicht zähle ich zuerst einmal ein paar Attribute meines Idealbildes von einem Mann auf, das ist einfacher: Stärke, Stabilität, Treue, Ruhe, Humor, Zärtlichkeit, Standhaftigkeit, die-eigene-Frau-ehren-und-auf-Händen-tragen. 😊

Wobei: Ich weiß schon, was es ist, was ich den Männern vorwerfe. Aber was sind die passenden Worte, um es auszudrücken? Es gibt die (Ideal-)Aussage: „Das Männliche dient dem Weiblichen wie der Ritter seiner Königin.“ Aber das tun die Männer nicht, die ich kenne! (Außer vielleicht D.?) Im Gegenteil! Wenn sich ihnen die Möglichkeit einer außergewöhnlichen Ritterlichkeit bietet, sagen sie (Zitat eines Freundes von mir): „Wie weit soll sich ein Mann denn noch herablassen?!“ Sie sind nicht da, wenn die Frau sie braucht, sie hören nicht auf ihre Bitten, geschweige denn nehmen sie unausgesprochene Bedürfnisse wahr, von Erfüllung nicht die Rede; sie sind oberflächlich und uneinfühlsam, desinteressiert sogar, es fehlen Achtung, Wertschätzung und Liebe. 

- Ist es so? Das ist ja richtig schrecklich, was ich da geschrieben habe! – 

Dabei habe ich Fremdgehen und Pornos noch garnicht erwähnt! 

Ich kenne das alles aus meinem Umfeld und aus eigener früherer Erfahrung. Und das sind nun meine Ängste, die ich auf D. übertrage, ist sogar meine fertigte Meinung manchmal, wie er sei, weil er doch ein Mann ist. (Allein die Tatsache, dass er ein Mann ist: Der muss ja so sein!) Dann mache ich dicht und erlaube mir nicht, ihnzu erfahren in der aktuellen Situation, aus Angst, doch wieder nur verletzt zu werden. 


Das ist das Eine, und die Prozesse, durch die wir gehen, kommen bestimmt noch zur Sprache. Aber jetzt geht es darum, was das alles mit mir zu tun hat!? Warum habe ich das immer wieder so erlebt? Was habe ich da für ein inneres Muster, mit dem mein äußeres Erleben in Resonanz geht? 

So, wie ich es beschrieben habe, sehe ich die Männer. Dabei sind sie mit Sicherheit auch anders! Jeder einzelne hat mit Sicherheit seine ganz individuellen „guten“ Eigenschaften. Aber dafür habe ich kaum einen Blick. Und dieses Nach-schönen-Frauen-sehen-und-sie-begehren unterstelle ich jedem Mann. Ja. Ich kann nicht glauben, dass es einen gibt, der das nicht hat. Und in mir erzeugt das ein tiefes Minderwertigkeitsgefühl. Weil es an jeder Ecke eine Frau gibt, die schöner ist als ich. –Obwohl ich mich manchmal wirklich selbst schön finde! Immer bin ich nicht in diesem Negativ-Zustand. Aber es ist ein sehr tiefsitzendes Muster. 

D. sagt, er findet mich aufregend. Und ich finde ihn auch total sexy, wunderschön, ich könnte ihn immerzu ansehen und mich an ihm freuen und bin von Herzen dankbar und manchmal verwundert darüber, dass er mein Mann ist. Wenn ich ihm das sage, dass ich ihn sexy finde, dann nimmt er das kaum zur Kenntnis. Aber wie sollte er sich auch daran freuen und es annehmen, wenn ich selbst seine Aussagen diesbezüglich über mich überhaupt nicht glaube(n kann)?! Etwas in mir meint, er scherzt und kann das nicht ernst nehmen, nicht annehmen. … – Scheiße ist das!!

In mir ist eine Instanz, die mich selbst boykottiert. Und diese Angst, aufgefressen zu werden, aus der Meditation, hat da, glaube ich, etwas mit zu tun. Mein kleines Selbst hat Angst, von meinem großen, strahlenden Selbst aufgefressen zu werden. Und anstatt mich meinem großen Selbst anzuvertrauen und mich nicht länger klein zu halten, anstatt mich ihm in die Arme zu werfen, schiebe ich diese Angst vor und bleibe lieber da, wo ich bin. 

Ich will aber nicht da bleiben!! Ich will frei werden von diesen Begrenzungen!! Das ist schrecklich mit diesem Minderwertigkeitsgefühl, mit der Eifersucht, mit dem Vergleichen! Das unterdrückt mich! Das unterdrückt alle meine Lebensgeister! Vielleicht sind einige meiner „Lebensgeister“ die Teichnymphen, oder eine Teichnymphe, wenn mir Monogamie und Treue so wichtig sind. Schiere Sinnlichkeit. Vielleicht ist es das, was im dunklen Wald auf mich wartet: All meine unterdrückten Anteile.


Freitagabend, auf dem Nachhauseweg vom Tarot, bat ich meinen inneren Mann, sich mir zu zeigen. Und ich nahm ihn wahr hinter mir. Er sagte: „Du hast mich verbannt. Ich bin aus Deinem Blickfeld gegangen, aber ich war immer hinter Dir, um Dich zu beschützen und Dich zu unterstützen.“ Natürlich musste ich weinen. Ich fragte ihn, warum ich ihn verbannt hätte, und dann kamen all meine Angstbilder hoch: Betrug, andere Frauen, ein totes Kind, an dessen Tod ich ihm die Schuld gab. … - 

Vielleicht waren es so schlimme Erfahrungen, dass ich im Schmerz und zum Schutz gegen ihn eine Mauer errichtet habe. Mir fiel dann das Märchen von den sieben Raben ein, in denen die Buben von ihrem Vater verwunschen werden, weil sie einen Krug zerbrochen haben;  also für etwas garnicht so Schlimmes. Und der Vater wusste ja auch eigentlich nicht, was wirklich geschehen war. Er hat es sich zusammengereimt. Vielleicht schiebe ich den Männern und meinem inneren Mann etwas in die Schuhe, worin ich mich irre? Ich reime mir was zusammen, aber weiß nicht wirklich, wie es sich verhält.

… - …

Liebe Leser, wisst Ihr, was D. draußen macht? – Er reißt eine Mauer ein. Und er sagt: „Hier wird alles anders.“ !!!!!! Das finde ich so faszinierend am Leben: Die inneren Prozesse und was im Außen geschieht, während man sich mit ihnen beschäftigt. Einfach so, wie von selbst, ohne dass man etwas dazu tut. 

Was ist mit meinem Zell-Gedächtnis, das all die Erfahrungen aller Frauen der letzten paarhundert Jahre (und seit Anbeginn der Zeiten) in sich trägt? Wie kann ich das erlösen, all den Schmerz, alle Demütigungen, Verrat, Missbrauch und Geringschätzung? 

Und was ist mit Adam und Eva, warum habe ich von ihnen geschrieben? Liegt da noch eine Antwort verborgen? 

Ich glaube, mein Weg in den Wald ist noch nicht zu Ende und mein Schreib-Projekt hier, wird mir noch manche Pfade eröffnen. Ich merke jetzt aber, dass ich mich mit zu vielen Fragen und Analyse-Versuchen verzettele. Ich sollte die Erkenntnisse einfach aus mir aufsteigen lassen und nicht nach ihnen suchen. Besser, ich lasse mich von ihnen finden. Sowieso geht es glaube ich nur so: Alles kommt von selbst.
Das habe ich gestern im Internet gelesen:


Wie nun überqueren wir die Mauer und beginnen, die andere Seite mit ihren Wundern, Einheit, immensen Liebe zu erleben und das Leben unserer wahren und authentischen Träume zu leben?

Lass es gehen. Lass einfach alles davon gehen, von dem Du gedacht hast, es sei real oder wichtig. Erlaube dem, was nun wahrhaftig real ist, in Dein Universum und Deine Realität hineinzukommen. Nimm Dir Zeit für Dich selbst ... sorge nun dafür, dass Du für Dich da bist und tue das, was Du brauchst, Pause, Selbst-Nährung, Ausatmen, im Moment sein, Verantwortlichkeiten gehen lassen und einfach in Deinem eigenen heiligen Raum bleiben und sich darin aalen. Finde einen Weg, Deine Batterie wieder aufzuladen, Dich zu regenerieren und erlaube Dir Zeit für Dich selbst. Sag so oft wie möglich nein zu Verbindlichkeiten, Zusammenkünften /Veranstaltungen, Aufträgen / Terminen / Verabredungen.

Erlaube Dir Zeit für Dich selbst, hab die Bereitschaft, nicht mehr länger etwas in Angriff nehmen zu müssen, und Du wirst herausfinden, dass alles ganz einfach von selbst passieren wird, ohne dass Du auf 'HabAcht' Stellung sein musst. Das gehen zu lassen, was sich nicht mehr länger gut oder richtig anfühlt, wird dem Neuen erlauben, hereinzukommen und Dich zur selben Zeit in einen sehr neuen Raum versetzen. VERTRAUE.

Und so mache ich jetzt Pause. Morgen fahren wir für ein paar Tage weg. Ferien!



Schläft ein Lied in allen Dingen - oder: Wie die Natur mit uns spricht

      Wünschelrute von Joseph von Eichendorff    „Schläft ein Lied in allen Dingen,  Die da träumen fort und fort,  Und die Welt hebt an zu ...