Donnerstag, 26. April 2018

Zweifel, annehmen, was ist und das Paradies auf Erden - 25. Juni 2008


Mittwoch. Heute Abend ist Fußball-EM-Halbfinale. Deutschland ist noch dabei.
 
Wo fange ich an in meiner Geschichte? Im Jetzt? Mit Michels Geburt, über die ich für das Down-Syndrom-Magazin geschrieben habe? Mit der Vorgeschichte? Oder mit der Geschichte vor der Vorgeschichte? Das waren immerhin 40 Jahre Leben. 

… Oder sollte ich doch lieber ins Fitness-Studio gehen? 

Jetzt kämpfe ich wieder mit meinen Zweifeln. Oder bist Du das, Antreiberin, die sagt: „Das muss jetzt aber klappen! Ansonsten lass‘ es lieber ganz!“? Ja, ja, okay, Du darfst dabei sein, bei meinem Projekt „Buch-schreiben“. Du brauchst Dich auch nicht zu ändern, wenn Dir nicht danach ist – kein Druck. Du darfst so sein, wie Du bist. Okay? … -

Darum geht es doch irgendwie, oder? Alles annehmen, nichts mehr bekämpfen oder nicht-haben-wollen. An einem selbst. Ich an mir. Wenn ich erwähne, dass meine Eltern diesen Antreiben-und-nicht-loben-Job so gut machen oder wenn ich mich (was, wie ich vermute, geschehen wird) über D., Michels Papa und mein (nicht-geehelichter) Mann, beschwerend äußern werde, dann sind das alles Dinge, die ich nach außen verlagere, weil ich sie an mir selbst nicht leiden kann. Da bekämpfe ich sie lieber im Außen. Schimpfe darüber und rege mich auf. – Nur: Das kann ich tun bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, aber weiter komme ich damit nicht. „Annehmen“ lautet die Devise. Und nicht nur das vermeintlich Schlechte, das keiner haben will, sondern auch all das Gute, das mir gefällt, das Großartige, Wundervolle, Herrliche! - … 

Daraus ergibt sich die nächste Devise, die da lautet „Wertfreiheit“. Die Dinge nicht mehr bewerten, nicht mehr meinen, zu wissen, was gut ist und was schlecht. Aber so weit bin ich noch nicht. 

Mir fällt aber ein, dass ich vor ein paar Jahren, 4 oder 5, auf einem beruflichen Fortbildungsseminar die Erkenntnis gewann, dass das vielleicht gemeint ist mit der Geschichte von Adam und Eva und der „Vertreibung aus dem Paradies“. (Wobei ich das mit der „Vertreibung“ nicht glaube! Gott hat uns nicht vertrieben! Das liegt irgendwie anders.) Der Apfel vom Baum der Erkenntnis – es heißt doch, dass man nach seinem Verzehr erkennen würde, was gut ist und was böse. Aber vielleicht ist das einfach zu viel für uns als Menschen!? Diese Erkenntnis sollten wir Gott überlassen. Wir können das nicht erkennen, weil uns der Überblick fehlt, oder ich-weiß-nicht-warum. Wir sollten uns auch nicht darum scheren, es wissen zu wollen, sondern einfach alles nehmen, wie es ist. Wie die Kinder. – Wenn man das kann, ist man, glaube ich, ganz schön weit. Schon fast da. Das ist eine große Kunst und Weisheit. Und mit „schon fast da“ meine ich, dann ist man da, wo Gott ist, bei Gott, ist auch Gott. Und dann weiß man es eigentlich auch schon wieder, was gut ist und was schlecht. Aber dann ist es einem egal, gleich-gültig, dann weiß man, dass „das Gute“ nicht „gut“ und „das Schlechte“ nicht „schlecht“ ist. – Wie soll ich das sagen? – Außerdem gibt es in diesem göttlichen Space gar kein „gut“ und „böse“ mehr, das hat da keinerlei Bedeutung. Und man trägt es die ganze Zeit mit sich herum, diesen „Space“. Eigentlich bin ich schon da. Oder „Es“ ist schon in mir. Ja. 
Jetzt, gerade eben, bin ich da. Das fühlt sich gut an.  

💖  😊  💫

Es gibt Dinge, die kann man nicht in Worte fassen, die kann man nur selbst erleben. Z.B. vorhin, als ich mit unserem Hund Schröder zum Abend-Gassi war: Es hatte den ganzen Nachmittag lange und ausgiebig geregnet, aber dann hatte der Regen aufgehört und die Sonne war noch einmal herausgekommen. Sie stand schon tief und ihr Licht strahlte so sehr auf dem nassen Asphaltweg, dass es meine Augen blendete. 

Der Himmel! – Wie der Himmel aussah! Licht und Wolken und so frisch! So neu! Im Gegenlicht fielen funkelnde Tropfen aus den nassen Blättern der Bäume. Auf den Leitungen, die längs der Bahnlinie laufen und an denen die Regentropfen hingen wie tausende glitzernde Diamanten, saßen kleine Vögel. Zwei große Greifvögel kamen kurz nacheinander über die Äcker geflogen, sie flogen über die Baumstücke hin zum Wald. Und ein Gepiepe und Gesinge! Und ich mit Schröder mittendrin in dieser frischen Welt, in dieser neuen Energie. Nachdem ich das vorher geschrieben hatte, von Adam und Eva und dem Apfel. Im Paradies. 

Vorhin, während dieses Spaziergangs, war ich im Paradies. Äußerlich und innerlich. Da hat alles gestimmt, nichts hätte anders sein sollen oder hat gefehlt, alles war vollkommen. Ich war vollkommen glücklich. 

Das Paradies auf Erden, Mittwochabends, acht Uhr in Oberhessen.   
  
 💖  😊  💫   



Mittwoch, 25. April 2018

Anfangen - 19. Juni 2008


Da ist also der Wunsch, ein Buch zu schreiben, diese Idee, die mir Freude macht, die Begeisterung dafür. Vor ein paar Tagen habe ich das Ganze schon einmal begonnen und alles, bis auf den ersten Satz (den mit meiner Freundin Mirjam) wieder gelöscht. 
 
In mir gibt es eine Instanz – das ist eines meiner bisherigen Lebensthemen – die sagt: „Entweder, das was du tust, muss perfekt sein oder es taugt nichts“. Richtig tragisch wird’s noch dadurch, dass das, was ich schaffe, von dieser Instanz keinerlei Anerkennung bekommt. Die treibt immer nur an. In meinem äußeren Leben erledigen meine Eltern diesen Job ganz gut. Vor ein paar Tagen – und das ist jetzt kein Witz! – kam mir zum ersten Mal die Einsicht: „Ich muss nicht die Beste sein.“ Das war wie eine Tür, die sich öffnete und durch die ich gegangen bin. - Möge meine innere Anteiberin draußen vor dieser Tür bleiben! Ich will hier in Gelassenheit und Ruhe schreiben! Oder möge sie sich wandeln, so wie auch ich mich gewandelt habe und wandele! - Auch der Gedanke Ich–finde-mit-dem–kleinen-Michel-doch-keine–Zeit-zum-Schreiben hat mich seit meinem ersten Versuch abgehalten. 

Heute ist der 19. Juni 2008, Donnerstag, Abend jetzt. Der Großteil der Nation schaut wahrscheinlich Fußball, EM-Viertelfinale, Deutschland gegen …? Ich weiß noch nicht mal, gegen wen sie spielen, so wurscht ist mir das. Michel schläft. Ich lag im Bett, las etwas, hatte es ausgelesen und dachte: „Ich fange jetzt einfach an zu schreiben. Wenn ich jeden Abend eine Seite schreibe, dann sind das in einem Jahr 365 Seiten - das gibt ein Buch.“ Und natürlich werde ich nicht jeden Abend eine Seite schreiben und es müssen auch keine 300 Seiten werden, aber ich beginne jetzt und mal sehen, wie weit ich nächstes Jahr kurz vor der Sommersonnenwende bin.


Dienstag, 24. April 2018

Wie es begann ... - eintauchen in die Geschichte

Einführung in mein Buch "Wenn Michel schläft ..."

Meine Freundin Mirjam hat mir eine Zeitschrift geschickt, ein „Magazin zum Down-Syndrom“.  Sie arbeitet in Hamburg als Sozialarbeiterin und bekommt das dort auf ihren Schreibtisch. Dabei hat sie an uns gedacht und es an uns weitergegeben. In dem Magazin war ein Aufruf: Schreiben Sie uns zum Thema „Wir haben ein Kind mit Down-Syndrom“, für die nächste Ausgabe. Das habe ich getan, vier Din-A-4-Seiten über unseren Sohn Michel, mit Fotos. Eigentlich aber habe ich über mich geschrieben, wie ich das empfunden habe, seine Ankunft in meinem Leben und das Drum-Herum, wie ich mich so beschützt und getragen fühlte in der Klinik, obwohl es sich von außen betrachtet um alltägliches Klinik-Geschehen handelte, über die Heiligkeit der ersten Tage seines Lebens. 
 
Während des Schreibens entstand in mir der Wunsch, mehr zu schreiben, mehr über das, was ich durch Michels Dasein erlebe, die dazugehörende Vorgeschichte (die sehr kurz ist: rein rechnerisch müsste Michel eine Windbestäubung sein), über die Prozesse, durch die ich gehe, durch diese zwei neuen Beziehungen in meinem Leben: Michels Papa und Michel. Wie sich dadurch schon vorhandene Beziehungen ändern. Und wie ich mich verändere, ändern muss, mich hingeben muss, vertrauen, mich anpassen, bzw. mit den Gegebenheiten umgehen, ob mir das nun immer alles so passt, wie es kommt und ist, oder nicht. Und dass ich mich so beschenkt fühle vom Leben und so geehrt wegen der Art und Weise, wie es mich diese Dinge lehrt. In meinem speziellen Fall. - Ja! Das will ich: Meinen speziellen Fall aufschreiben, denn es tut mir jedesmal gut, wenn ich es auszugsweise mache, Briefe schreibe oder wie vor kurzem diesen Artikel für die Zeitschrift, es klärt mich innerlich und gibt mir Kraft und ich komme dadurch oft mit meiner eigenen Weisheit in Kontakt und finde wie von selbst Antworten auf Fragen und Themen, die mich beschäftigen. Ja! Das mache ich! Ich schreibe ein Buch über meinen speziellen Fall! Vielleicht kann ich dadurch auch anderen dienlich sein, weil sie sich im Einen oder Anderen wiedererkennen  … oder zu ihrer Erheiterung beitragen … oder sie ermutigen, das Gleiche oder etwas Ähnliches zu tun, um sich die eigenen Entwicklungs- und Befreiungs-Prozesse bewusst zu machen, ja, überhaupt sich erst einmal damit auseinanderzusetzen – das machen nämlich viele nicht. Ich kenne einen Haufen Menschen, die laufen vor den offensichtlichsten Themen ihres Lebens davon, lenken sich ab mit Arbeit, treiben in jeder freien Minute Sport, engagieren sich politisch oder kämpfen für sonst was, kümmern sich um alles Mögliche, nur nicht um sich selbst. Währenddessen stehen ihre ureigenen persönlichen Lebensthemen geduldig neben ihnen, sind immer da und ziehen sie ab und an am Hosenbein oder am Rockzipfel: „Hallo! Hier bin ich! Schau mich an!“ Aber manche Menschen haben Angst vor ihnen. Vor sich selbst, oder wie? Vor ihrem eigenen Leben? Dabei liegt genau darin der Segen. Und der Schlüssel – zum Himmel, zum Paradies. Für jeden liegt genau darin der Weg nachhause, der direkte Weg ins Zentrum der Erfüllung all ihrer Sehnsüchte und tiefsten Bedürfnisse und Wünsche. Das glaube ich. Jeder hat seinen eigenen Weg in seine eigene Erlösung, in die Freiheit und die Liebe in sich. Man muss nur innehalten und sich um sich selbst kümmern, mit sich selbst in Kontakt gehen. Und nicht dauernd rennen. – Ich weiß, oder: mir ging es ja auch so und auch jetzt ist es noch oft so: Ich meine, ich müsste etwas tun: Wäsche waschen, Essen kochen, 3 x am Tag mit dem Hund Gassi gehen, Michel versorgen, hierhin fahren, dorthin fahren, Sport treiben … die Liste könnte über Seiten fortgesetzt werden. Früher habe ich ganze Tage gearbeitet. – Mit der Bestätigung meiner Schwangerschaft durch die Frauenärztin war das mit einem Schlag vorbei. Ich hatte Myome in der Gebärmutter und sollte mich hinlegen und schonen. Das war irgendwie der erste „Schlag“ (in dieser Geschichte), da fing es an, dass ich „gezwungen“ wurde anzunehmen was ist. Ich habe mich hingelegt. Eine Nacht habe ich darüber geschlafen, dann ließ ich mich krankschreiben, trotz neu angetretenen Jobs, denn ich hatte die Entscheidung getroffen, die Dinge anzunehmen. Ich hätte auch sagen können: „Ach was, ich gehe arbeiten, ich schaff‘ das schon. Wird nicht so schlimm sein mit den Myomen.“ Aber das habe ich nicht. Und ich bin froh drum – und mir selbst dafür dankbar, dass ich das so gemacht habe - das wird mir jetzt beim Schreiben bewusst. Ja. 

Ich habe mich also zwingen lassen – und bin mir und meinem Leben dafür dankbar. Be-zwingen lassen. – Möge mein Leben mein Ego bezwingen!! Oder befreien, es sich einverleiben.

Und nun beende ich diese Einführung, um einzutauchen in meine Geschichte. Meinen speziellen Fall.


Montag, 23. April 2018

Wie eine Geburt


Eine neue Website.

Ein neuer Blog: Sonjas Schreibkammer. - Huuuaah! Es fühlt sich an, wie eine Art Geburt: Bin total unsicher. Dennoch mache ich. Hab' dem Kind einen Namen gegeben. Jetzt weiß ich nicht, wie beginnen, was tun.

Aber es ist da. Es lebt. Es wird sich entwickeln. Und ich werde hineinwachsen.
Es wird "was Eigenes" werden ... 😏 💫

Das Bild von der schlüpfenden Schildkröte gefällt mir, es mag Pate stehen bei der Geburt meines neuen Blogs: Kein Stress! Langsam, mit Bedacht, nicht kopflos hierhin - dorthin, wir haben keine Eile. Auf den Schutz und die Protektion (durch Schutzengel und die unsichtbaren, stetigen Begleiter 💞) dürfen wir vertrauen. Die Schildkröte verheißt Ausdauer und Beharrlichkeit, Gelassenheit und Ruhe, Weisheit, Humor auch, vielleicht ein bisschen trockenen. Oder kindlich frisch. Ohne Hemmungen. Sie wird ihre Ziele erreichen, sie wird getragen vom Flow, im Fluß des Lebens. Sie wird uralt, hundert Jahre .... und dann steht sie erst am Anfang ihres gesetzten Alters .... 💖

Mein "Denken" im Chaos der Geburt ist in etwa so: Ich möchte in meinem Schreibkammer-Blog Kapitel aus meinen Büchern posten, zum lesen. Vielleicht kann ich auch selbst meine beiden bisher entstandenen Bücher als E-Books herausbringen. Liebe Schildkröte, bitte hilf mir dabei!

Ich will neue Texte schreiben. Die Ideen gebären, die ich mit mir trage. Und kommen lassen, was kommen mag.


Dies also ist der erste Schritt ...

Am Montag, dem 23. April 2018, welcher im Mayakalender unter der Energie von Men, dem blauen Adler im planetaren Ton 10 steht, wie ich gerade gegoogelt habe. Das ist ja prima!! Seht ihr, so geht's! - Thank you universe!!

😊  💖  💫




Schläft ein Lied in allen Dingen - oder: Wie die Natur mit uns spricht

      Wünschelrute von Joseph von Eichendorff    „Schläft ein Lied in allen Dingen,  Die da träumen fort und fort,  Und die Welt hebt an zu ...