Zweifel, annehmen, was ist und das Paradies auf Erden - 25. Juni 2008


Mittwoch. Heute Abend ist Fußball-EM-Halbfinale. Deutschland ist noch dabei.
 
Wo fange ich an in meiner Geschichte? Im Jetzt? Mit Michels Geburt, über die ich für das Down-Syndrom-Magazin geschrieben habe? Mit der Vorgeschichte? Oder mit der Geschichte vor der Vorgeschichte? Das waren immerhin 40 Jahre Leben. 

… Oder sollte ich doch lieber ins Fitness-Studio gehen? 

Jetzt kämpfe ich wieder mit meinen Zweifeln. Oder bist Du das, Antreiberin, die sagt: „Das muss jetzt aber klappen! Ansonsten lass‘ es lieber ganz!“? Ja, ja, okay, Du darfst dabei sein, bei meinem Projekt „Buch-schreiben“. Du brauchst Dich auch nicht zu ändern, wenn Dir nicht danach ist – kein Druck. Du darfst so sein, wie Du bist. Okay? … -

Darum geht es doch irgendwie, oder? Alles annehmen, nichts mehr bekämpfen oder nicht-haben-wollen. An einem selbst. Ich an mir. Wenn ich erwähne, dass meine Eltern diesen Antreiben-und-nicht-loben-Job so gut machen oder wenn ich mich (was, wie ich vermute, geschehen wird) über D., Michels Papa und mein (nicht-geehelichter) Mann, beschwerend äußern werde, dann sind das alles Dinge, die ich nach außen verlagere, weil ich sie an mir selbst nicht leiden kann. Da bekämpfe ich sie lieber im Außen. Schimpfe darüber und rege mich auf. – Nur: Das kann ich tun bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, aber weiter komme ich damit nicht. „Annehmen“ lautet die Devise. Und nicht nur das vermeintlich Schlechte, das keiner haben will, sondern auch all das Gute, das mir gefällt, das Großartige, Wundervolle, Herrliche! - … 

Daraus ergibt sich die nächste Devise, die da lautet „Wertfreiheit“. Die Dinge nicht mehr bewerten, nicht mehr meinen, zu wissen, was gut ist und was schlecht. Aber so weit bin ich noch nicht. 

Mir fällt aber ein, dass ich vor ein paar Jahren, 4 oder 5, auf einem beruflichen Fortbildungsseminar die Erkenntnis gewann, dass das vielleicht gemeint ist mit der Geschichte von Adam und Eva und der „Vertreibung aus dem Paradies“. (Wobei ich das mit der „Vertreibung“ nicht glaube! Gott hat uns nicht vertrieben! Das liegt irgendwie anders.) Der Apfel vom Baum der Erkenntnis – es heißt doch, dass man nach seinem Verzehr erkennen würde, was gut ist und was böse. Aber vielleicht ist das einfach zu viel für uns als Menschen!? Diese Erkenntnis sollten wir Gott überlassen. Wir können das nicht erkennen, weil uns der Überblick fehlt, oder ich-weiß-nicht-warum. Wir sollten uns auch nicht darum scheren, es wissen zu wollen, sondern einfach alles nehmen, wie es ist. Wie die Kinder. – Wenn man das kann, ist man, glaube ich, ganz schön weit. Schon fast da. Das ist eine große Kunst und Weisheit. Und mit „schon fast da“ meine ich, dann ist man da, wo Gott ist, bei Gott, ist auch Gott. Und dann weiß man es eigentlich auch schon wieder, was gut ist und was schlecht. Aber dann ist es einem egal, gleich-gültig, dann weiß man, dass „das Gute“ nicht „gut“ und „das Schlechte“ nicht „schlecht“ ist. – Wie soll ich das sagen? – Außerdem gibt es in diesem göttlichen Space gar kein „gut“ und „böse“ mehr, das hat da keinerlei Bedeutung. Und man trägt es die ganze Zeit mit sich herum, diesen „Space“. Eigentlich bin ich schon da. Oder „Es“ ist schon in mir. Ja. 
Jetzt, gerade eben, bin ich da. Das fühlt sich gut an.  

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Es gibt Dinge, die kann man nicht in Worte fassen, die kann man nur selbst erleben. Z.B. vorhin, als ich mit unserem Hund Schröder zum Abend-Gassi war: Es hatte den ganzen Nachmittag lange und ausgiebig geregnet, aber dann hatte der Regen aufgehört und die Sonne war noch einmal herausgekommen. Sie stand schon tief und ihr Licht strahlte so sehr auf dem nassen Asphaltweg, dass es meine Augen blendete. 

Der Himmel! – Wie der Himmel aussah! Licht und Wolken und so frisch! So neu! Im Gegenlicht fielen funkelnde Tropfen aus den nassen Blättern der Bäume. Auf den Leitungen, die längs der Bahnlinie laufen und an denen die Regentropfen hingen wie tausende glitzernde Diamanten, saßen kleine Vögel. Zwei große Greifvögel kamen kurz nacheinander über die Äcker geflogen, sie flogen über die Baumstücke hin zum Wald. Und ein Gepiepe und Gesinge! Und ich mit Schröder mittendrin in dieser frischen Welt, in dieser neuen Energie. Nachdem ich das vorher geschrieben hatte, von Adam und Eva und dem Apfel. Im Paradies. 

Vorhin, während dieses Spaziergangs, war ich im Paradies. Äußerlich und innerlich. Da hat alles gestimmt, nichts hätte anders sein sollen oder hat gefehlt, alles war vollkommen. Ich war vollkommen glücklich. 

Das Paradies auf Erden, Mittwochabends, acht Uhr in Oberhessen.   
  
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